Veronica Burgstaller

Ein Alien Vom Selben Planeten

Man sollte im Hinterkopf behalten, dass ich durch all das Umziehen dieselbe Person geblieben bin, meinen österreichischen Pass habe, halb Österreicherin und halb Indonesierin bin. In Indonesien war ich vielleicht ein Expat, in England ein Einwanderer, in Korea - ein noch ständiger Kampf, in die Gesellschaft eingeschlossen zu werden. Es ist klar, dass die Macht darüber, wer ich bin, nicht in meinen Händen liegt.

Eine Geschichte von Veronica Burgstaller. Übersetzt von Veronica Burgstaller
South Korea, Eastern Asia
Veröffentlicht am 19. April 2020

Lesedauer: 4 Minuten

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB kr tr



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Meine Eltern sagten mir immer ganz stolz, dass sobald ich das Licht erblickte, einen Pass hatte. Als jemand, der sein ganzes Leben in verschiedenen Orten lebte, ist die Frage nach der nationalen Identität oder der Identität der Zugehörigkeit wahrscheinlich akuter als bei vielen anderen Menschen. Eine nationale Identität scheint in der Tat wichtiger zu sein, als der eigene Name. Woher man kommt, ist meistens die erste Frage, die einem nach seinem Namen gestellt wird. Ich bin also nicht Veronica, ich bin - meine Nationalität. Aber hier liegt auch das Problem.

Wenn man an das Konzept der Nationalität denkt, wird es automatisch mit Heimat, Familie, seinem Leben verbunden. Wie sollte man dann ein Leben erklären, das hauptsächlich in anderen Ländern gelebt wurde? Bedeutet das, dass ich jedem, den ich gerade getroffen habe, meine ganze Lebensgeschichte erzählen müsste? Es ist auch die Frage, wie man Leute wie mich definiert: einen Expat, einen Migranten, einen Nomaden? Aber auch diese Begriffe können nicht von mir selbst definiert werden, sondern beschreiben vielmehr, wie eine Gesellschaft oder Regierung beschließt, einen zu sehen.

Geboren in Wien, Österreich, zog ich während der Mittelschule nach Indonesien, wo ich automatisch die reiche "bule" war, was auf Indonesisch "weißer Mensch" bedeutet. In Indonesien habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich als Weiße besonders war, privilegiert war und  daher auch mehr Macht hatte. Als ich jedoch von Indonesien nach England kam, war die Behandlung umgekehrt. Mein Hintergrund zeigte, dass ich, da ich gerade aus einem sogenannten „weniger entwickelten“ Land gekommen war, auch als Person eindeutig „weniger entwickelt“ sein müsste und mit meinem Bruder in die „Foundation“-Klasse aufgenommen wurde. Diese Klassen sind für Schüler gedacht, die mit normalen  Lernmaterialien nicht gut klar kommen (sie stellten schnell fest, dass wir dort sehr fehl am Platz waren).

In Korea, wo ich seit drei Jahren lebe, kann ich sagen, dass man als Ausländer zwar mehr Privilegien hat, aber es ein Privileg der Ausgrenzung ist. Ausgrenzung eines härteren Arbeitsumfelds, dem die meisten Koreaner ausgesetzt sind, Ausgrenzung einer sehr definierten Trennung zwischen Älteren / Jüngeren, Vorgesetzten / Untergebenen, Eltern und Kind. Das Wort für Ausländer auf Koreanisch ist 외국인 (oe-kuk-in) und verwendet die chinesischen Schriftzeichen 外國人, was wörtlich bedeutet "die Person außerhalb der Nation / des Landes". Das Wort für Alien 외계인 (oe-kye-in) klingt ähnlich, aber das Schriftzeichen "Land" wird durch "Welt" ersetzt, so dass ich manchmal mit meinen koreanischen Freunden scherze und sage „Ich bin ein Alien“. Dieser Aussage wurde jedoch mit ziemlich ernsten Ausdrücken und einer Antwort "Du bist kein Alien, es heißt Ausländer",  begegnet, als hätte ich das Wort während meines Koreanischunterrichts nicht richtig gelernt. Aber es ist vielleicht gar nicht so lustig, weil jeder registrierte Ausländer hier eine – offiziell im Englischen -  "Alien Registration Card" (im Deutschen: Ausländermeldebescheinigung) bekommt. Also, ja, wir sind offiziell Aliens.

Ich bin jedoch der Meinung, und wahrscheinlich können wir dies auf die rasche Umwandlung Koreas in eine kapitalistische Gesellschaft zurückführen, dass der soziale Status, die berufliche Position, das Einkommen, der Bildungshintergrund, selbst in welcher Nachbarschaft man lebt, als viel wichtiger angesehen wurden. In diesem Sinne werden in Korea alle Bürger und Ausländer gleichermaßen diskriminiert.

Man sollte im Hinterkopf behalten, dass ich durch all das Umziehen dieselbe Person geblieben bin, meinen österreichischen Pass habe, halb Österreicherin und halb Indonesierin bin. In Indonesien war ich vielleicht ein Expat, in England ein Einwanderer, in Korea - ein noch ständiger Kampf, in die Gesellschaft eingeschlossen zu werden. Es ist klar, dass die Macht darüber, wer ich bin, nicht in meinen Händen liegt. Vielleicht ist dies ein Zeichen dafür, dass ich mich wirklich nur mit Metaphern definieren kann - ein Gast, ein Nomade, ein Alien.


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What should a person include in a short biography of oneself? Their achievements in life? Their identity, their passions, their interests? Or their future ambitions? But what if their life has been a continuous flux from one place to another, thus their identity unclear. What if their ambitions are still formative, and their interests every changing? Though if I really had to describe myself in a few words, then for now I am: 

A 27-years old Austrian, Balinese, European, translator, freelancer, student, and traveler, who is currently living in Seoul (and already the past three years). My passions are (and those will stay with me!!): Food, Taekwondo, and traveling.

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