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Der Moment, in dem aus einem Mädchen eine Frau wird: eine Geschichte über psychologischen Missbrauch - Teil 1

Ich sah, wie Frauen um mich herum immer wieder scheiterten und dachte nicht, dass auch ich irgendwann in meinem Leben scheitern könnte.

Eine Geschichte von Maria Sotiropoulou. Übersetzt von Veronica Burgstaller
Greece, Southern Europe
Veröffentlicht am 9. April 2021

Lesedauer: 4 Minuten

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB es



Von klein auf wurden mir Geschichten über starke Frauen erzählt. Ermutigt durch die Worte meiner Mutter wuchs ich mit der Vorstellung auf, dass ich mich niemals von jemandem unterkriegen lassen sollte. In meinem Kopf hatte ich das Bild, wie eine unabhängige Frau aussehen sollte: eine, die auf ihren eigenen zwei Füßen steht und sich jedem Hindernis und Feind stellt.

Als ich älter wurde, begann ich langsam zu verstehen, dass das Leben weder ein Märchen noch ein Film, wo die Heldin eine starke Frau in einer männerdominierten Welt ist.  Ich sah, wie Frauen um mich herum immer wieder scheiterten, egal wie sehr sie sich bemühten. Doch ich ließ mir davon nicht die Flügel meiner eigenen Bestrebungen und Träume stutzen. Vor allem habe ich nicht daran gedacht, dass auch ich irgendwann in meinem Leben scheitern könnte. Ich hatte noch nicht erkannt, dass das verklärte Bild in meinem Kopf nicht der Realität entsprach.

Viele haben mich gewarnt - und sie tun es immer noch -, dass die Welt der Politik, in der ich arbeiten möchte, von Männern dominiert ist. Als ich anfing, bei einer Organisation zu arbeiten,[1] war ich ziemlich pro-aktiv. Aufgrund meiner Naivität und meines mangelnden Wissens über dem Bereich der Politik ignorierte ich verschiedene Warnsignale. Ein Verhalten zu dem wir neigen, wenn wir gleichzeitig aufgeregt und verängstigt sind.  Das gilt besonders in Situationen mit ungleichen Beziehungen, in denen eine Partei eine Position der Macht und Autorität innehat.

Die Welt der Mächtigen in Anzügen, der politischen Diskurse und des öffentlichen Engagements hat mich schon früh in meiner Studienzeit fasziniert. Ich nahm jede Gelegenheit wahr, die sich mir bot, ohne zu bedenken, dass manches nur so scheint als ob es auf den silbernen Tablett serviert wird. Ich war fest davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein, da ich jede gegebene Chance als einen Schritt näher zu meinem Traum sah. Natürlich brachte jeder Schritt auch seine Herausforderungen mit sich, aber ich nahm diese als selbstverständlich hin, da ich später den verdienten Preis erhalten würde. Das dachte ich mir jedenfalls.

Niemand warnte mich, dass zu diesen Herausforderungen auch manipulative, herablassende und sexistische Haltungen gehören würden. Der Mentor, der mich ich auf jeden Schritt begleitete, sollte auf mich aufpassen und zeigen, was richtig richtig und falsch, ethisch und unethisch ist. Ich akzeptierte die Worte meines Mentors als normal, als die Weise “wie es gemacht wird”.

Von herabwertigen Kommentaren über mein Aussehen und meine Weiblichkeit bis hin zu der Tatsache, dass ich mit meiner starken und extrovertierten Persönlichkeit  "alles in meiner Macht stehende" tun würde, um zu bekommen, was ich wollte. All diese schrecklichen Worte verstand ich lediglich als unschuldige "Hänseleien" und "freundliche Ratschläge."

Nach einer Weile dämmerte es mir, dass die Ratschläge meines "Mentors" nicht immer legitim waren. Ich begann, selbst die Initiative zu ergreifen und meine Arbeit zu tun, ohne immer nach konkreten Ratschlägen zu fragen. Ich wollte nicht in die Form passen, die jemand anderes geschaffen hatte.

Doch dies wurde zu einem Wendepunkt in meinem Leben, den ich leider nicht vorausgesehen hatte. Während von mir wurde erwartet, dass ich immer mein Bestes gebe, sollte ich auch niemals meinen "Mentor" übertreffen. Ich ahnte nicht, wie schlimm es werden würde.


 [1] Der Name der Organisation wurde ausgelassen.


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Maria Sotiropoulou

Maria Sotiropoulou

Born in Greece, I was an energetic and extroverted person ever since my childhood, being passionate about foreign languages and debating. Holding a Bachelor's degree in Political Science, I am currently completing my Master's in European Studies at KU Leuven, focusing on European Governance and External Relations. My interests consist of foreign and European politics, governance, integration, gender equality, and women’s rights.

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