Natalia Ruiz Gómez

Wie eine aufstrebende Ökonomin zur Fürsprecherin für die Menschenrechte von Migranten wurde

Ich kannte nicht viele Ökonomen, die sich mit der Migrationssituation beschäftigten, also dachte ich mir, dass ich mich dafür einsetzen sollte.

Eine Geschichte von Natalia Ruiz Gómez. Übersetzt von Veronica Burgstaller
Spain, Southern Europe
Veröffentlicht am 28. Februar 2021

Lesedauer: 3 Minuten

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB



Wenn man an einen Ökonomen denkt, stellt man sich vielleicht eine Person im Anzug vor, der die Finanzbuchhaltung eines Unternehmens führt. Solch ein Image ist nicht falsch, aber es stimmt nicht in meinem Fall. Mein Entschluss, mich mit den Menschenrechten von Migranten zu beschäftigen, wurde im Mai 2015 gefasst, als ich - zusammen mit dem Rest der Welt - Zeugin wurde, wie an der süditalienischen Küste innerhalb von 48 Stunden über 4000 Migranten in Not gerettet werden mussten. Der Mangel an politischer Motivation, die Menschenrechte von Migranten zu garantieren, wurde offensichtlich, als zwei Monate später das Gesetz im Namen der Sicherheit der Bürger "Hot Returns" [1] in meinem Land, Spanien, verfügt wurde. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in anderen europäischen Ländern durchgeführt. Im Laufe der Monate nahmen die Spannungen im Mittelmeer Korridor zu und damit auch die Hassreden. Das Mittelmeer wurde zur tödlichsten Migrationsroute der Welt.

Als ich von den verschiedenen politischen Mechanismen erfuhr, mit denen sich die Staaten vor dem Migrationsproblem drücken, war ich zutiefst empört. Mir kam es so vor, als würde die Welt zwischen Menschen erster und zweiter Klasse unterscheiden. Damals dachte ich: Wie können diese großen Wirtschaftsmächte sich die Ressourcen von Entwicklungsländer aneignen, während sie zur selben Zeit die Mobilität der Menschen aus diesen Ländern kriminalisieren? 

Ich kannte nicht viele Ökonomen, die sich mit der Migrationssituation beschäftigten, also dachte ich mir, dass ich mich dafür einsetzen sollte. Während meiner Studienzeit in Spanien wurde mir klar, dass das akademische System die Sozialwissenschaften von den Wirtschaftswissenschaften trennte, was in meinen Augen keinen Sinn machte, da sie empirisch miteinander verbunden sind. In der Wirtschaftswissenschaft geht es für mich nicht nur um Arbeitslosigkeit und Zinssätze, sondern auch darum, wie man den Wohlfahrtsstaat für alle garantieren kann.

Meine Mission ist es, meinen akademischen Hintergrund in Wirtschaftswissenschaften in den Dienst der Menschenrechte von Migranten zu stellen. Im Jahr 2019 hatte ich die großartige Gelegenheit, "Refugees, Realities and Rights" an einer Universität in den Niederlanden zu studieren. Dieses Seminar beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und sozialer Gleichheit, wo ich Menschen aus verschiedenen Nationalitäten mit unglaublich aufschlussreichen Ideen traf. Ich fand es ermutigend, im Unterricht mit einer großen Gruppe junger Menschen über ein so sensibles und kompliziertes Thema zu debattieren. Wir fanden in diesem Programm den perfekten Raum, um unsere Sorgen über die kritische Situation der Migration zu teilen. 

Ich erkannte, wie wichtig es ist, jungen Menschen ein Umfeld zu bieten, in dem sie über aktuelle Themen diskutieren und sich damit auseinandersetzen können. Wir dürfen niemanden auslassen, um eine breitere Sichtweise zu erreichen. Indem wir viele verschiedene Perspektiven sammeln, können wir eine gemeinsame Politik definieren. Es ist eine wichtige Aufgabe der heutigen Gesellschaft, das öffentliche Bewusstsein zu schärfen, um Hassreden zu stoppen. Von dieser Motivation bewegt, habe ich als Freiwilliger bei der spanischen Kommission für Flüchtlingshilfe an Veranstaltungen teilgenommen und in Schulen Vorträge über die Migrationssituation gehalten, um das Bewusstsein zu schärfen und Fehlinformationen zu bekämpfen. Die jungen Teilnehmer zeigten große Anteilnahme an dem Thema, was für mich sehr ermutigend war. 

Ich bin überzeugt, dass wir der sozialen Seite der Wirtschaft, die für die gerechte Verteilung sozialer Güter, die Gewährleistung von Chancengleichheit und Menschenwürde zuständig ist, mehr Bedeutung beimessen müssen. Als Gesellschaft haben wir die Verantwortung, die Integrität und Würde der Einwanderer wiederherzustellen. Die Gewährleistung der Menschenrechte ist keine Option, sie ist eine Pflicht.


[1] Hot returns: direkte Abschiebungen von Migranten an der Grenze


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Natalia Ruiz Gómez

Natalia Ruiz Gómez

I am an Economics student from Spain who strongly defends the equality of opportunities and human dignity. In constant learning, I love traveling, trying to understand the perspectives of those around me and I can’t say ‘no’ to board game plans. If life has taught me anything, it is to adapt to the constant dynamism and uncertainty of the present and future.

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