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Vietnamesische Studenten sollen alte koreanische Bauern heiraten

Der Gedanke eine Braut mit Geld zu kaufen hat mich immer empört, weil ich glaube, dass eine Ehe aus echter Liebe und Respekt entstehen sollte und Menschen keine Handelsware sind.
South Korea, Eastern Asia

Eine Geschichte von Nhi (Christie) Pham. Übersetzt von Veronica Burgstaller
Veröffentlicht am 11. Oktober 2021.

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB



Vor fünf Jahren kam ich als aufgeregte Studentin nach Südkorea. Aber als die Leute erfuhren, dass ich aus Vietnam komme, war die häufigste zu mir gestellte Frage nicht über meine Kultur oder meine Motivation nach Korea zu kommen, sondern über meinen Familienstand. Bei mehr als 10 Gelegenheiten wurde ich gefragt, ob ich mit einem koreanischen Mann verheiratet sei. Das war mir unangenehm und ich fragte mich, ob dies ein Klischee für alle vietnamesischen Frauen in Südkorea ist.

Leider ist dieses Klischee nicht nur Rauch ohne Flamme. Ich war sehr schockiert, als ich Geschichten über Frauen aus Vietnam und anderen südostasiatischen Ländern hörte, die von Männern mittleren Alters aus dem koreanischen Hinterland gekauft wurden. Heiratsvermittler organisieren Heiratstouren, bei denen die Kunden nach Vietnam reisen und ihre Bräute aus einer Reihe vietnamesischer Frauen im Alter von 16-30 Jahren auswählen. In den Nachrichten wird berichtet, dass Migrantenfrauen aufgrund von Sprachbarrieren, Altersunterschieden und kulturellen Unterschieden von ihren koreanischen Partnern isoliert und sogar misshandelt werden. Da viele vietnamesische Migranten auf diese Weise nach Korea kommen, ist das Klischee von vietnamesischen Frauen, als Ehefrauen koreanischer Männer, tief in der südkoreanischen Kultur verankert. 

Ich dachte jedoch nicht mehr an diese Vorfälle, bis ich in den Lokalnachrichten einen Artikel über einen Brief sah, den vietnamesische Studentinnen von der Regierung der Stadt Mungyeong erhielten. Die Stadt schlug eine Übergangsheiratskampagne [1] vor, in der sie Briefe an vietnamesische Studentinnen verschickte und sie einlud, alte koreanische Bauern zu heiraten. Das Konzept löste in der vietnamesischen Gemeinschaft Verärgerung und Enttäuschung aus, weil es auf ein bestimmtes Geschlecht, eine bestimmte Nationalität, Altersgruppe und ein bestimmtes Berufsprofil abzielte. Auch wenn die Stadt zu erklären versuchte, dass sie damit lediglich die rückläufige Bevölerkungszahl der Mungyeong City fördern wollte, implizierte das Projekt für mich und viele andere hier lebende Vietnamesen, dass das einzige Ziel vietnamesischer Studentinnen in Südkorea die Suche nach einer Eintrittskarte für die Migration ist, und das durch Heirat zu einem koreanischen Mann.

 

 

Ich fühlte mich beleidigt, schockiert und enttäuscht, als ich diese Nachricht sah. Ich hatte das Gefühl, dass das Ziel vietnamesischer Frauen, ihr Wissen zu erweitern, durch diese Kampagne völlig entwertet wurde. Der Brief löste in der vietnamesischen Gemeinschaft Empörung aus. Um Einblicke von anderen in Südkorea lebenden Vietnamesen zu erhalten, interviewte ich zwei meiner Freunde, die beide an koreanischen Universitäten studiert haben und seit Jahren in Südkorea arbeiten und leben. M[2], 33, hat in Seoul studiert und gearbeitet und ist mit einem koreanischen Mann verheiratet, sagte mir: "Ich denke, die Stadt Mungyeong ist sehr egoistisch und kümmert sich nur um ihre lokalen Probleme, ohne den ursprünglichen Zweck der ausländischen Studentinnen zu respektieren, was zu ernsteren Konsequenzen wie Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Rasse führt. Mein Mann ist auch sehr verärgert, er fragt sich, warum die Beamten so ignorant sein können, um eine so peinliche Entscheidung zu treffen." M zeigte, dass das Projekt nicht nur die vietnamesische Bevölkerung verärgert, sondern auch bei der koreanischen Bevölkerung auf Ablehnung stößt. T, 29, die seit 6 Jahren in Korea lebt, äußerte ihre Meinung: "Ich bin wütend, wenn vietnamesische Mädchen als Mittel zur Steigerung der Geburtenrate in Korea angesehen werden."

Nach zahlreichen Demonstrationen vietnamesischer Studenten und der Nationalen Menschenrechtskommission wurde die Kampagne schließlich abgebrochen. Ich hoffe, dass dieser Vorfall das Bewusstsein für die diskriminierenden Vorurteile und Stereotypen in der koreanischen Gesellschaft schärfen und zu Maßnahmen gegen Heiratsvermittler und zur Unterstützung ländlicher Gebiete führen wird, um den Brautkauf zu beenden. Die Menschen sollten, unabhängig von ihrer Nationalität, fair behandelt und respektiert werden.


[1] Eine "Übergangsehe" ist eine Ehe zwischen zwei Menschen aus verschiedenen Ländern.

[2] Aus Gründen des Datenschutzes habe ich ihre vollständigen Namen weggelassen.


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Nhi (Christie) Pham

Nhi (Christie) Pham

Nhi Pham (Christie Pham) is a Vietnamese UX designer based in Seoul, South Korea. During her 5 years of living in South Korea as a student, a correspondent and then an office worker, she has observed and experienced several aspects of the country, especially Seoul City. With interests in global, environmental and multicultural issues, she wants to share her stories with readers from her perspective. Her ultimate goal is to connect and inspire people around the world.

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