Photo Credit: Salum Ndezi

Das Leben kann sich unerwartet ändern

Das neue Jahr beginnt mit 365 Tagen. Das sind für mich 365 neue Chancen.

Eine Geschichte von Salum Ndezi. Übersetzt von Veronica Burgstaller
DR of the Congo, Middle Africa
Veröffentlicht am 14. März 2021

Lesedauer: 4 Minuten

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB es kr



Ich wurde in der Stadt Bukavu im östlichen Teil der Demokratischen Republik Kongo geboren. Als ich fünf Jahre alt war, erkrankte meine Mutter an Lepra. Mein Vater brachte sie in viele Krankenhäuser der Stadt, aber sie wurde nicht besser. Er musste sein gesamtes Geschäftskapital ausgeben, um die vielen Arztkosten zu bezahlen. Später erlähmten die Beine meiner Mutter und sie konnte nicht mehr laufen. Also brachte mein Vater sie in ein besseres Krankenhaus in der Stadt, wo sie behandelt wurde und sich erholen konnte. Bald konnte sie wieder laufen wie zuvor. Doch die Rechnung des Krankenhauses war sehr hoch. Mein Vater musste unser Haus verkaufen, um sie zu bezahlen. Deshalb zogen meine Eltern von Bukavu in ein Dorf namens Nyangezi.

Ich wuchs in Nyangezi auf, bis ich die Sekundarschule abschloss. Dann zog ich aus dem Haus meiner Eltern aus und ging zurück in die Stadt, um ein Universitätsstudium zu beginnen. Ich wollte IT-Experte werden, aber ich konnte nicht an einer Universität mit einem Fachbereich für Softwareentwicklung angenommen werden. Also beschloss ich, mich woanders umzusehen und ging zu einer Universität in Kigali, der Hauptstadt unseres Nachbarlandes Ruanda. Ich überquerte die Grenze und begann mein Studium in Kigali. Für eine kurze Zeit war ich so glücklich. Ich lebte in einem neuen Land, in einer neuen Atmosphäre, konnte neues Essen probieren, eine neue Kultur erleben und neue Freunde machen.

Doch nach anderthalb Jahren verlor mein Bruder, der meine Studium, meine Miete und andere Ausgaben finanziert hatte, seinen Job, als sein Möbelgeschäft bei einem Brand zerstört wurde. Durch diese unerwartete Situation wurde unser Leben bitter. Ich war in allem auf meinen Bruder angewiesen. Ich hatte keine Familie oder Freunde in Kigali, die mir helfen konnten. Auch sonst konnte mich niemand in meiner Familie unterstützen, da ich aus einer Familie mit geringem Einkommen stamme. Vor lauter Angst habe ich innerhalb einer Woche 4 Kilo abgenommen. Aufgrund meiner finanziellen Situation musste ich zurück nach Hause gehen. Ich plante, in zwei Wochen abzureisen, weil die Miete nach zehn Tagen ablief und ich Essen hatte, dass mich vielleicht für fünfzehn Tage ernähren konnte. 

Vier Tage bevor ich Kigali verlassen wollte, ging ich in die Bibliothek. Dort traf ich einen neuen Freund, der mich ansprach, als er mich Swahili sprechen hörte. Er stellte sich vor und war wie ich, ein Einwanderer. Er erzählte mir, dass es offene Stellen für Französischlehrer in den örtlichen Grundschulen gab. Dieser Freund würde mein Leben verändern.

Ich bewarb mich an einige Grundschulen und betete zu dem allmächtigen Gott. Er steht über allem und jedem und er ist derjenige, der gibt und nimmt. Nach fünf Tagen rief mich eine Schule zu einem Vorstellungsgespräch an. Drei Tage später rief der Schulleiter an, um mir zu sagen, dass ich die Stelle bekommen habe. Das war ein Wunder für mich! Ich sagte alle meine Pläne ab, nach Hause zurückzukehren.

Als ich die Stelle bekam, hörte ich für ein Semester auf zu studieren, um Geld zu sparen. Nach fünf Monaten ging ich zurück an die Universität, um mein Studium fortzusetzen. Dennoch reichte mein Gehalt nicht aus, die Gebühren für ein Studium in Softwareentwicklung zu bezahlen. Also wechselte ich auf Anglistik um. Jetzt bin ich im letzten Jahr meines Studiums und unterrichte immer noch Französisch.

Seit ich die Stelle als Lehrer bekommen habe, glaube ich daran, dass im Leben alles möglich ist.  Das neue Jahr beginnt mit 365 Tagen. Das sind für mich 365 neue Chancen. Ich glaube, dass ich kreativer und mutiger sein muss, und gute Beziehungen mit den Leuten, denen ich begegne, haben sollte. Ich sage: Selbst wenn du versuchst und scheiterst, dann sei nicht enttäuscht. Habe immer eine optimistische Einstellung, dass du eines Tages Erfolg haben wirst, denn jede Situation im Leben ist vorübergehend. Im Leben dreht sich alles um Timing.


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Salum Ndezi

Salum Ndezi

I’m Salumu, from the Democratic Republic of Congo, which is the second widest country of Africa with more than four hundred tribes and more than four hundred fifty dialects. Kiswahili, Lingala, Tshiluba and Kikongo are the four national languages and French is an official one. It is a very rich country with its natural resources. But the biggest problems are the political instability, insecurity, war most in the eastern part of the country, and tribalism. And these bring us other big problems of poverty and hunger. Citizens cannot benefit from the resources of their own country. I observed and found out that people’s mentality must be changed, from all classes of people. And my only way to contribute to changing people’s mentality is through writing and sharing my ideas with everyone. Together we can make Congo, Africa and the whole world a better place.

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