Geschlechtsneutrale Toiletten - Ein Sicherer Raum Abgeschaffen?

Diskriminierung, Belästigung und Körperverletzung erfolgt aufgrund unserer Brüste und der Verletzbarkeit unserer Vagina - es ist unser Körper, den sie wollen.

Eine Geschichte von Robin Schaffer. Übersetzt von Veronica Burgstaller
Belize, Central America
Veröffentlicht am 23. Februar 2020

Lesedauer: 4 Minuten 30 Sekunden.

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB tr



Eines Tages ging ich auf die Toilette meines Universitätsgebäudes und sah, dass sich die Schilder von Mann“ und Frau“ zu „Geschlechtsneutral“ und „Geschlechtsneutral mit Urinalen“ geändert hatten. Diese Entwicklung ist nicht nur im Vereinigten Königreich zu sehen. In den letzten Jahren wurden Toiletten in vielen Ländern[1] auf geschlechtsneutral und unisex umgestellt. Dies wurde hauptsächlich von der Transgender-Gemeinschaft vorangetrieben, um Belästigungen gegen Menschen entgegenzuwirken, die sich weder mit „männlichen“ noch mit „weiblichen“ Geschlechtern identifizieren.

Anfangs hat es mich nicht gestört. Tatsächlich begrüßte ich die Änderung, bis ich eines Tages zur Toilette ging, um mir einen Tampon zu schnappen, und ich dort einen Mann fand, der sich seine Hände im Waschbecken wusch. Ich war nervös und dachte an jene Fälle zurück, als ich noch ein überentwickeltes 12-jähriges Mädchen in Belize war. Es war für mich deshalb unangenehm, ein Menstruationsprodukt im Badezimmer holen zu müssen, wo sich gleichzeitig ein Mann befand, und es machte mich auch nervös, dass mir dieser sicherer Raum weggenommen wurde.

Mir wurde jedoch gesagt, ich solle diese Gefühl von Unbehagen überwinden, weil diese „Probleme der Entwicklungsländer sind und hier in Großbritannien nicht zutreffen“. Vielleicht bin ich nur überwachsam; Zu Hause lernte ich, lüsternes Verhalten zu erkennen, bevor ich überhaupt alt genug war, dass man mich beim nach Hause gehen mit Gleichaltrigen in meiner Schuluniform auspfiff. Und vielleicht sind meine Anfragen nach einem sicheren weiblichen Raum in England, dieser kleinen Ecke des großen ehemaligen Reiches[2], unvernünftig. Belästigung ist jedoch nach wie vor weit verbreitet, und der Trend, biologisches Geschlechts zugunsten des sozialen Geschlechts zu ignorieren (im Englischen - sex and gender), beispielsweise durch geschlechtsneutrale Toiletten, ist gefährlich[3].

Aufgewachsen in Belize, dachte ich nie daran, das biologische Geschlecht vom Sozialen zu trennen. Die beiden waren durch jahrelange Verstärkung untrennbar miteinander verbunden. Die Absonderung von Männer und Frauen erfolgt im ganzen Leben: getrennte Teams, Badezimmer und Sexualkundeunterricht; Nähen war für Mädchen, Holzarbeiten für Jungen; Wir trugen auch verschiedene Uniformen.

Bei Mädchen wurde die Keuschheit betont, bei Jungen die Männlichkeit. Viele dieser Geschlechterrollen wurden oft biologisch begründet; Frauen können nämlich schwanger werden und sind wehrlos gegen bestimmte Arten von Übergriffen. Wenn Männer sich nicht stark genug geben, können sie sich und ihre Familien nicht schützen.

Diese Dinge habe ich, als ich aufwuchs, nicht bemerkt, denn ich hatte keine Alternative zu dieser Weltanschauung. Erst als ich vor sieben Jahren aus Belize zog, wurde mein Verständnis von biologischem und sozialem Geschlecht in Frage gestellt.

In Belize kannte ich ein Mädchen, das von einem beliebten Klassenkameraden unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wurde. Sie beschuldigte sich selbst, in diese Situation geraten zu sein, als leicht zu habendes Mädchen zu wirken, zu trinken, das zu tragen, was sie trug. Sie vergrub es tief im Inneren und lächelte in der folgenden Woche ihren Angreifer an, um nicht unhöflich zu wirken. Sie hat den Vorfall nicht gemeldet. Ich kannte eine Frau, die am helllichten Tag vaginal, anal und oral vergewaltigt wurde, und ihre Familie beschuldigte ihren Minirock und die Tageszeit, zu der sie ausging. Sie hat den Vorfall nicht gemeldet.

Ja, das sind Dinge, die in Belize passiert sind, aber dies sind nicht nur Probleme der Entwicklungsländer. Das sind Probleme, die Frauen weltweit konfrontieren[4], und diese biologischen Unterschiede nicht anzuerkennen und sich darauf vorzubereiten, ist für mich unverständlich. Denn Diskriminierung, Belästigung und Körperverletzung erfolgt aufgrund unserer Brüste und der Verletzbarkeit unserer Vagina - es ist unser Körper, den sie wollen.

Ich denke, wir sollten daher bei Entwicklungen, wie bei der Einführung geschlechtsneutraler Räume, sehr vorsichtig sein und anerkennen, dass die Frauentoilette leider für viele Frauen oft immer noch der sichere Raum ist.


Fußnoten 

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Unisex_public_toilet

[2] Belize war von 1862 bis 1964 eine britische Kronkolonie und erlangte 1981 die volle Unabhängigkeit.

[3] Biologisches Geschlecht (sex) ist eine von zwei Hauptgruppen, in die Menschen aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften eingeteilt werden, während sich soziales Geschlecht (gender) auf die Rollen und Verhaltensweisen bezieht

[4] https://www.one.org/us/blog/7-barriers-to-girls-education-you-need-to-know/

 


Was macht diese Geschichte mit dir?

Folge Uns auf Social Media

Unterhalte Dich über diese Geschichte

Please enable cookies to view the comments powered by Disqus.

Subscribe

Melde Dich an für unseren monatlichen Newsletter und bleibe up-to-date mit neuen Geschichten auf Correspondents of the World.

* indicates required

Robin Schaffer

Robin Schaffer

Hi there, I'm Robin Schaffer, an MSc Education graduate who has now returned to her home country Belize to work as Program Development and Communications Coordinator at the Ministry of Human Development.

Mehr Geschichten auf Deutsch

> DR of the Congo
Das Leben kann sich unerwartet ändern

A story by Salum Ndezi

Das neue Jahr beginnt mit 365 Tagen. Das sind für mich 365 neue Chancen.

> Read More


> Netherlands
Zwei Auswanderungen in vier Generationen und doch keine Identitätskrise?

A story by Shakila Dhauntal

Trotz der Konflikte, welche die zweifache Abwanderung innerhalb von vier Generationen verursacht haben, überwiegen für mich persönlich die Vorteile der Zweikulturalität.

> Read More


> Indonesia
Mein Land als Fallbeispiel: Ein Indonesischer Umweltschützer in Yale

A story by Brurce Mecca

Meine Erfahrung und mein Wissen sowie die Erfahrungen aller Minderheiten sind wichtig, auch wenn sich diese Perspektiven durch die Anstrengungen, es den Menschen verständlich zu machen, als unbedeutend erscheinen könnten.

> Read More


Alle anzeigen

Mach mit

At Correspondents of the World, we want to contribute to a better understanding of one another in a world that seems to get smaller by the day - but somehow neglects to bring people closer together as well. We think that one of the most frequent reasons for misunderstanding and unnecessarily heated debates is that we don't really understand how each of us is affected differently by global issues.

Unser Ziel ist es, dies zu verbessern - und zwar mit jeder Geschichte, die wir teilen.

Teile Deine Geschichte

Community Weltweit

Correspondents of the World is not just this website, but also a great community of people from all over the world. While face-to-face meetings are difficult at the moment, our Facebook Community Group is THE place to be to meet other people invested in Correspondents of the World. We are currently running a series of online-tea talks to get to know each other better.

Werde Teil unserer Community

ERKUNDE THEMA Gender

> Belize
Gender-neutral Toilets – A Safe Space Taken Away?

A story by Robin Schaffer

In the moment you face discrimination, harassment, and assault based on your breasts and the vulnerability of your vagina, it's your body they are after.

> Read More

> Nepal
Gender-Based Untouchability

A story by Pabita Timilshina

If I had one wish, it would be for girls to be free, free to choose what they want to become, not to be dominated by men. Women to have their own voice without being ashamed of what society might think. Our place is not just in the kitchen or to have babies, we have our own lives. I wished for everyone to have the same rights.

> Read More

Or read it in br de it tr

> Australia
Bisexual Men: Do We Even Exist?

A story by Hal Fulcher

With so much recent acceptance of the idea of sexuality being a spectrum, the fact bisexual men even feel the need to defend our very existence seems very quaint in 2020.

> Read More

Or read it in br de it kr nl

> Netherlands
Does Dutch Tolerance Form a Barrier to the True Acceptance of Minorities?

A story by Hugo Oms

Gay men almost enjoy the same legal rights as heterosexuals and therefore are formally accepted. However, my personal experience has taught me that social acceptance of homosexuality is often dependent on numerous conditions.

> Read More

Or read it in de it kr nl tr

> Morocco
The Girl in the Skirt

A story by Hajar Lassiliya

You may wonder what is it like to be a woman who lives in a country that lacks security?

> Read More

Or read it in de it kr tr

> Germany
Growing up in a Straight World

A story by Luca Kraus

Retrospectively, it comes as no surprise. Everything around me gave me the impression that there was only one sexuality within society. From tv shows I watched to books I read, couples and families I knew, conversations with my friends, and things that we were taught in school.

> Read More

Or read it in de ru tr

Global Issues Through Local Eyes

We are Correspondents of the World, an online platform where people from all over the world share their personal stories in relation to global development. We try to collect stories from people of all ages and genders, people with different social and religious backgrounds and people with all kinds of political opinions in order to get a fuller picture of what is going on behind the big news.

Our Correspondents

At Correspondents of the World we invite everyone to share their own story. This means we don't have professional writers or skilled interviewers. We believe that this approach offers a whole new perspective on topics we normally only read about in the news - if at all. And in case you wondered: Everyone includes you as well. Do you have a story to share? Reach out to us and let us know!

Share Your Story

Our Community

Although we just started a few months ago, we already have a great community of people from all over the world. While face-to-face meetings are difficult at the moment, our Facebook Community Group is THE place to be to meet other people invested in Correspondents of the World. We are currently running a series of online-tea talks to get to know each other better.

Join Our Community

Vision

At Correspondents of the World, we want to contribute to a better understanding of one another in a world that seems to get smaller by the day - but somehow neglects to bring people closer together as well. We think that one of the most frequent reasons for misunderstanding and unnecessarily heated debates is that we don't really understand how each of us is affected differently by global issues.

Our aim is to change that with every personal story we share.

Topics

We believe in quality over quantity. To start off with, we collect personal stories that relate to our correspondents' experiences with five global topics:

Environment

Discussions about the environment often center on grim, impersonal figures. Among the numbers and warnings, it is easy to forget that all of these statistics actually also affect us - in very different ways. We believe that in order to understand the immensity of environmental topics and global climate change, we need the personal stories of our correspondents.

Gender

Gender is the assumption of a "normal". Unmet expectations of what is normal are a world-wide cause for violence. We hope that the stories of our correspondents will help us to better understand the effects of global developments related to gender and sexuality, and to reveal outdated concepts that have been reinforced for centuries.

Migration

Our correspondents write about migration because it is a deeply personal topic that is often dehumanized. People quickly become foreigners, refugees - a "they". But: we have always been migrating, and we always will. For millions of different reasons. By sharing personal stories about migration, we hope to re-humanize this global topic.

Liberation

We want to support the demand for justice by spotlighting the personal stories of people who seek liberation in all its different forms. Our correspondents share their individual experiences in creating equality. We hope that for some this will be an encouragement to continue their own struggle against inequality and oppression - and for some an encouragement to get involved.

Corona Virus

2020 is a year different from others before - not least because of the Corona pandemic. The worldwide spread of a highly contagious virus is something that affects all of us in very different ways. To get a better picture of how the pandemic's plethora of explicit and implicit consequences influences our everyday life, we share lockdown stories from correspondents all over the world.

Get Involved

We believe that every single personal story contributes to a better understanding of the complex world we live in - and the people we share it with. That includes yours! We would be really happy if you would like to share your story, too, and join our community.

Share Your Story

Growing Fast

Although we started just over a year ago, Correspondents of the World has a quickly growing community of correspondents - and a dedicated team of editors, translators and country managers.

52

Correspondents

63

Stories

38

Countries

127

Translations

Contact

Correspondents of the World is as much a community as an online platform. Please feel free to contact us for whatever reason!

Message Us

Message on WhatsApp

Call Us

Joost: +31 6 30273938