Unerzählte Abtreibungsgeschichten aus Nigeria (1/4)

Criminalizing abortion is a form of discrimination against women. Abortion is still illegal In Nigeria,but it hasn't stopped thousands of women from getting it. These women endanger their lives by seeking unsafe means to terminate pregnancy. In this series of stories, Hannah, writer, journalist and story ambassador for CotW talks to women who despite the dangers have decided to get an abortion.
Nigeria, Western Africa

Eine Geschichte von H.T. Jagiri. Übersetzt von Anna Schmid-Burgk
Veröffentlicht am April 22, 2023.

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB ar es it ng



Die Kriminalisierung von Abtreibungen ist eine Form der Diskriminierung von Frauen. Abtreibungen sind in Nigeria nach wie vor illegal. Aber das hat tausende Frauen nicht davon abgehalten eine zu bekommen. Diese Frauen setzten ihr Leben aufs Spiel, indem sie unsichere Mittel verwenden, um ihre Schwangerschaft abzubrechen. In dieser Reihe von Geschichten spricht Hannah, Autorin, Journalistin und Botschafterin für CotW, mit Frauen, die trotz der Gefahren sich dazu entschieden haben, eine Abtreibung durchzuführen.

Die Kriminalisierung von Abtreibungen ist eine Form der Diskriminierung von Frauen. Abtreibungen sind in Nigeria nach wie vor illegal. Aber das hat tausende Frauen nicht davon abgehalten eine zu bekommen. Diese Frauen setzten ihr Leben aufs Spiel, indem sie unsichere Mittel verwenden, um ihre Schwangerschaft abzubrechen. Als jemand, der sich für Frauenrechte und die Gleichheit der Geschlechter einsetzt, wollte ich die Auswirkung des Abtreibungsverbotes in Nigeria genauer unter die Lupe nehmen. Also habe ich Frauen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um abzutreiben, ausfindig gemacht. Dies ist Seyis* Geschichte.

Es passierte an einem Freitagabend im Jahre 2017. Die Straße war gefüllt mit Farben, während die Einwohner von Tanke Ilorin [1] gekleidet in farbenfroher Kleidung ihrem täglichen Geschäft nachgingen. Anlässlich von Eid Mubarak [3], verzierten Hijabs und Abajas [2] in unterschiedlichen Designs und Arten die Straßen. Seyi befand sich in der Menschenmenge. Sie war auf dem Weg Medikamente zu kaufen, die das kleine Lebewesen, das in ihr wuchs, töten würden. Einige Wochen zuvor hatte sie erfahren, dass sie schwanger war. Mit ihren 17 Jahren sowie im zweiten Jahr an der University of Ilorin, wusste sie, dass sie nicht bereit dafür war eine Mutter zu sein und für ein Kind zu sorgen.

„Als ich die Testergebnisse bekam war es, als würde meine Welt zusammenbrechen. Ich habe es meinem Freund erzählt und er sagte, dass wir es nicht behalten könnten. Er musste mich nicht überzeugen. Ich wusste, dass ich kein Kind bekommen konnte, denn ich war ja selbst noch eins. Nachdem die Entscheidung gefallen war, ging ich sofort online und suchte nach einer Lösung. Und so erfuhrt ich über Mifepriston und Misoprostol.“ Während sie sprach, formten sich ihre Lippen zu einem traurigen Lächeln.

Die Straße blühte vor Leben, als Straßenhändler ihre Waren jedem der vorbei kam zum Verkauf anboten und mit schallender Stimme um ihre Aufmerksamkeit warben. In der ersten Apotheke, die Seyi aufsuchte, trug die Verkäuferin ebenfalls einen Hijab [4].

„In der ersten Apotheke traf ich eine Hijab Schwester. Ich sagte ihr, dass ich Mifepriston und Misoprostol benötige. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich und sie schrie, dass sie keine Abtreibungsmedikamente verkaufe, sodass jeder es hören konnte. Ich dachte das sei das Ende. Beschämt verließ ich die Apotheke. Aber ich wusste, dass es außer Frage stand, ohne die Medikamente nach Hause zurückzukehren. Ein Kind auszutragen war keine Option. Also entschied ich mich dazu es bei einer anderen Apotheke zu versuchen. Die nächste Apotheke war nicht so groß und die schwangere Apothekerin war etwas zurückhaltend das Medikament zu verkaufen. Nach einer Weile gab sie sie mir aber. Als ich sah, dass die Apothekerin schwanger war, musste ich fast laut lachen. Es fühlte sich an, als würde Gott mich bestrafen. Als wäre ich für Gott und die Engel eine Art Witzfigur“ 

Wegen den Konsequenzen konnte ich niemanden anrufen. Also lag ich auf dem Boden und wartete darauf, dass der Tod mich holte.

 Seyi ging zu ihrem Hostel. Ein separater fast leerer Raum, nur eine Matratze und ein Stapel Bücher auf dem Boden. Der Kleiderschrank befand sich auf der linken Seite des Raumes. Die jahrelange Nutzung ließ bereits Teile des Holzes absplittern. Seyi nahm die Medikamente sofort nachdem sie in ihrem Raum angekommen war. Sie wartete darauf, dass die Krämpfe eintraten und als sie nach einer Stunde immer noch nicht da waren, nahm sie zwei Tabletten mehr. Kurz danach begann sie heftige Blutungen und starke Krämpfe zu bekommen.

„Es fühlte sich an, als würde etwas meinen Magen zusammendrücken, die Schmerzen waren unerträglich. Mit jeder Minute fühlte ich wie ich schwächer wurde. Ich dachte wirklich ich müsste sterben. Wegen den Konsequenzen konnte ich niemanden anrufen. Also lag ich auf dem Boden und wartete darauf, dass der Tod mich holte.“

Zu ihrem Glück geschah das nicht.


[1] Tanke ist eine Stadt in der Gemeinde Ilorin, die Hauptstadt des Bundesstaates Kwara im Nigeria.

[2] Eine Abaja ist ein loses Kleidungsstück / gewandartiges Kleid.

[3] muslimische Feiertage

[4] eine Muslima, die einen Hijab trägt. In Nigeria tragen nicht alle Muslimas einen Hijab.

*Mit einem Sternchen gekennzeichnete Namen wurde geändert, um die Identität der Interviewpartner von Correspondents of the World zu schützen 

 Lesen Sie Teil 2 - Unerzählte Abtreibungsgeschichten aus Nigeria: Aminas Geschichte hier.

 


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Aside from being a content writer, H.T. Jagiri is a journalist and creative writer who believes every story is worth telling. Her creative works can be found in Kalahari review, Brittle paper, Olongo Africa and elsewhere. In her words, "We all have a singular purpose on earth, mine is to tell stories."

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